Der Weg liegt unter unseren Füssen
- Jörg Kyburz
- 19. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Tozan sagte, der Weg liegt immer unter deinen Füssen, wie sollte er je enden? Wie könnten wir ihn vorher wissen? Er ist immer nur jetzt, in diesem Moment, genau hier unter meinen Füssen zu leben.
Wir sprechen hier von der Haltung, mit der wir den Weg im ganz normalen Leben aus dem Zen-Geist heraus gehen. Zen führt uns nicht in einen spirituellen Bereich jenseits des gewöhnlichen Lebens. Es stellt uns in das ganz normale Leben mit all seinen Herausforderungen.
Wir sollten versuchen, den Weg unter unseren Füssen stets zu spüren. Worauf treten wir gerade? Das ist die Zen-Haltung, wie sie sich im Alltag zeigt: empfindsam und verletzbar zu sein. Das Leben kann stets Schmerz bringen. Kein Lebewesen ist vor Verletzungen sicher. Versuchen wir ihm auszuweichen, trauen wir uns nicht mehr ins Leben. Es könnte uns weh tun, uns enttäuschen. Aus Angst davor ziehen sich viele Menschen lieber in ihr Schneckenhaus zurück, wählen für sich, einsam und von der Welt verlassen zu sein.
Es gibt kein Leben ohne Verlust, kein Leben ohne Verlieren, keines ohne Verletzungen oder Enttäuschungen. Schmerz passiert im Leben, während es sich stets verändert. Der Veränderung sich nicht aussetzen zu wollen, hiesse, sich dem Leben entziehen, sich nicht mehr nach draussen zu trauen. Die Kunst des Lebens besteht jedoch gerade darin, den Schmerz der Veränderung anzunehmen, ihm keinen Widerstand zu leisten und ihn dadurch nicht zu leid werden zu lassen. Wir sind im Leben mit dem Schmerz nicht allein gelassen. Es ist der Atem, der uns durchtragen kann. Der Atem ist bei allen Schmerzen unsere grosse Unterstützung. In dem Moment, wo Verletzungen geschehen, gilt es, uns mit dem Atem zu verbinden. Unser Weg geht durch die Schmerzen hindurch und nicht aussen herum. Der Zen-Weg macht uns empfindsamer und lehrt uns, dass wir keinen Panzer brauchen, um uns vor Ungewolltem zu schützen. Das Leid der Welt zu empfinden und zu teilen, gehört zu unserem Weg. Zu spüren, dass da Schmerz ist und nicht zu erwarten, dass er uns nichts angeht. Zen trägt uns ins Leben hinein und macht uns empfindsam für den Schmerz aller Wesen.
Lasst uns loslassen, der Atem zeigt sich und wir tauchen in die Stille ein.




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