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Hochsommer – eine Einladung, bei sich anzukommen

  • Autorenbild: Jörg Kyburz
    Jörg Kyburz
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Hochsommer ist’s.


Die Tage sind lang. Die Natur steht in ihrer Fülle. Gräser wiegen sich im Wind, die Bäume tragen ihr sattes Grün, Wolken ziehen über den Himmel.

Es ist eine Zeit des Lebens, der Fülle, der Wärme.

Und vielleicht auch eine gute Zeit, uns daran zu erinnern, dass wir mitten in all diesem Leben auch auf uns selbst achtgeben dürfen.

Nicht erst dann, wenn wir müde sind. Nicht erst dann, wenn unsere Kräfte schwinden. Sondern jetzt.

Einfach, weil auch wir Teil dieses Lebens sind.


Je liebevoller wir mit uns selbst umgehen, desto liebevoller können wir uns auch anderen Menschen und unserer Mitwelt zuwenden.

Vielleicht beginnt Mitgefühl genau hier.

Nicht bei den anderen. Nicht bei einer Aufgabe, die wir erfüllen müssen. Sondern bei uns selbst.

Bei der Art, wie wir mit uns sprechen. Wie wir unseren Körper wahrnehmen. Wie wir mit unseren Grenzen umgehen. Und wie viel Raum wir uns zugestehen, einfach einmal nichts leisten zu müssen.


Der Sommer kann uns dabei ein guter Lehrmeister sein. Eine Wiese fragt nicht, ob sie genügend geleistet hat. Eine Wolke fragt nicht, ob sie schnell genug vorankommt. Ein Grashüpfer überlegt nicht, ob sein nächster Sprung gross genug sein wird. Das Leben geschieht. Und wir dürfen für einen Moment einfach daran teilnehmen. Nicht als Beobachtende, die alles einordnen müssen. Sondern als Teil davon.

 

Die wunderbaren Zeilen von Joachim Ringelnatz verdeutlichen dies:


„Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiss, das durch den sonnigen Himmel schreitet.“

Was für ein leichtes Bild.

Ein Wölkchen aus dem Himmel zupfen.

Etwas von dieser Weite nehmen und mit sich tragen. Vielleicht können wir innerlich tatsächlich einmal nach oben schauen. In einen weiten Sommerhimmel. Wolken kommen. Wolken gehen. Keine hält sich fest. Keine muss bleiben.


Und dann lädt uns Ringelnatz zu etwas ein, das uns Erwachsenen manchmal erstaunlich schwerfällt:

„Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser. Weil’s wohltut, weil’s frommt.“

Sich einfach einmal ins Gras legen. Ohne Zweck. Ohne Nutzen. Ohne schlechtes Gewissen.

Nicht einmal meditieren müssen. Einfach da sein.

Vielleicht ist genau das eine Form von Selbstfürsorge:

uns Momente zu erlauben, die nichts hervorbringen müssen.

Momente, in denen wir nicht funktionieren.

Nicht planen. Nicht optimieren - spüren:

Ich bin da. Ich atme. Ich lebe. Und für diesen Moment genügt das.

Kontemplatives Sitzen, 11. August 2026 - JK

 
 
 

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