Saat und Ernte
- Jörg Kyburz
- 13. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Was wir säen – Eine Einladung zur inneren Haltung
In einer Zeit, in der uns das Weltgeschehen täglich berührt, bewegt und manchmal auch verunsichert, stellt sich leise eine Frage:Wie gehen wir damit um?
Viele Eindrücke erreichen uns – Bilder, Nachrichten, Stimmen. Nicht alles fühlt sich stimmig an.Nicht alles erscheint gerecht.
Und doch liegt mitten in all dem eine stille Möglichkeit.
Eine alte Weisheit aus der Bibel erinnert uns daran:
„Was der Mensch sät, das wird er ernten.“
Ein einfacher Satz – und zugleich eine tiefe Einladung.
Vielleicht lässt er sich für unsere heutige Zeit so verstehen:
Säe Gerechtigkeit – und Liebe kann wachsen.
Doch was bedeutet das konkret?
Hier und jetzt – in unserem Alltag, in unseren Gedanken, in unserem inneren Erleben?
Gerade wenn wir Menschen begegnen – direkt oder über die Medien – deren Handeln wir nicht verstehen oder als verletzend empfinden, entsteht oft ganz natürlich Widerstand.
Ablehnung. Ärger. Vielleicht sogar Ohnmacht.
Unsere kontemplative Praxis lädt uns ein, diesen Impulsen achtsam zu begegnen.
Nicht, um sie zu verdrängen. Und auch nicht, um Ungerechtigkeit zu übersehen.
Sondern um einen inneren Raum zu öffnen.
Einen Raum, in dem wir nicht automatisch reagieren müssen. Einen Raum, in dem wir bewusst wählen können, was wir in die Welt hineintragen.
Vielleicht beginnt diese Wahl ganz nah – bei uns selbst.
In einem Atemzug. In einem Moment von Freundlichkeit.
Und von dort aus kann sich dieser Raum weiten: zu Menschen, die uns nahestehen, zu jenen, die wir kaum kennen, und vielleicht – ganz behutsam – auch zu denen, die wir nicht verstehen.
Nicht als Zustimmung zu ihrem Handeln. Sondern als Ausdruck einer inneren Freiheit.
Die Freiheit, nicht Hass mit Hass zu beantworten. Nicht Enge mit Enge.
Sondern einen anderen Samen zu legen.
Vielleicht sind es nur leise Worte in der Stille: Mögest du zum Wohle aller handeln. Möge Frieden möglich werden.
Es sind keine grossen Gesten. Keine schnellen Lösungen.
Aber es sind Impulse, die wirken können – in uns und darüber hinaus.
Denn jeder Gedanke, jede Haltung, jedes innere Ausrichten ist wie ein Same.
Und vielleicht beginnt genau hier Veränderung: nicht im Aussen, sondern in der stillen Entscheidung, was wir – immer wieder neu – säen möchten.
…
Kontemplatives Sitzen, 28. April 2026 - JK




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