Unzufriedenheit
- Jörg Kyburz
- vor 6 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Sind wir zu sehr auf Zufriedenheit fixiert?
Wir sprechen oft davon, zufrieden zu sein. Als wäre Zufriedenheit ein Ziel, das wir erreichen sollten.
Und doch gibt es diese Momente im Leben, in denen etwas in uns nicht ganz stimmig ist.
Ein leises Ziehen.
Eine Unruhe.
Eine Form von Unzufriedenheit.
Oft wollen wir sie möglichst schnell loswerden. Sie beruhigen. Verändern. Oder übergehen.
Und vielleicht lohnt es sich zwischendurch andere Wege zu versuchen.
…
Im Geist von Siddhartha Gautama beginnt der Weg oft genau dort, wo wir Unruhe spüren.
Im Buddhismus wird dieses grundlegende Gefühl des Nicht-Genügens als Dukkha beschrieben.
Nicht als Fehler. Sondern als Teil unseres Menschseins.
Vielleicht ist es genau diese Unzufriedenheit, die uns bewegt. Die uns suchen lässt. Die uns wach hält.
In der ZEN-Praxis geht es nicht darum, etwas zu erreichen oder etwas loszuwerden.
Sondern darum, da zu sein mit dem, was ist.
Auch mit der Unzufriedenheit.
…
Und auch in der christlichen Tradition hat diese innere Unruhe ihren Platz.
Der Kirchenvater Augustinus von Hippo sagt:
„Unruhig ist unser Herz,bis es ruht in dir.“
Vielleicht ist diese Unruhe nicht einfach eine Störung.
Vielleicht ist sie eine Sehnsucht.
Eine Sehnsucht nach Tiefe. Nach Sinn. Nach Verbundenheit.
Etwas in uns, das sich ausstreckt über das hinaus, was gerade ist.
…
So müssen wir heute nichts lösen.
Nichts verbessern.
Nichts erreichen.
Vielleicht darf die Unzufriedenheit einfach da sein.
Wahrgenommen. Gehalten. Ohne Urteil.
…
Und vielleicht wird sie dabei ein wenig weiter. Ein wenig stiller.
Oder einfach klarer.
…
Nimm nun einen Moment wahr,
wo in deinem Leben gerade etwas nicht ganz ruhig ist.
Ein Gedanke. Ein Gefühl. Eine offene Frage.
…
Du musst nichts damit tun.
Lass es einfach da sein.
Und nimm es mit in die Stille dieser Meditation.
…
Kontemplatives Sitzen, 14. April 2026 - JK




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